Woche der Konsolidierung, viele negative Nachrichten. "Red Alert Warning" der 6 grössten US-Broker, Crowd- oder Contrarian Investing?

Chart der Woche

Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 07.09.2021, Zeitstempel: 8.42


Das Statistische Amt der Europäischen Union, kurz Eurostat, veröffentlichte diese Woche die Werte einer regelmässigen Umfrage bei Produktionsbetrieben in Europa. Fast 40% der Befragten Firmen gaben an Produktionsprobleme zu haben, weil wichtige Komponenten oder Rohstoffe nicht lieferbar sind. Dieser Wert liegt weit über dem Durchschnitt der letzten 25 Jahre von ca. 10%.

Warum ist das Wichtig?

Wenn Komponenten oder Rohstoffe knapp sind steigen die Preise und steigende Preise, bedeutet Inflation. Die Grafik lässt erahnen, dass wir in den nächsten Monaten eine höhere Inflation sehen werden. Dies wiederum ist negativ für die Obligationenmärkte, weil es zu steigenden Zinsen führt. Und für die Aktien ist das negativ, da die Firmen weniger Produkte verkaufen können und/oder ihre Margen sinken und somit weniger Gewinn machen.

Diese Woche gab es viele schlechte Nachrichten zu verarbeiten:

  • Die grössten 6 Banken an der Wall Street (Goldman Sachs, Bank of America, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank und Morgan Stanley) haben diese Woche eine "Red Alert Warning" an die Kunden verschickt. Sie alle rechnen für den September mit tieferen Börsenkursen in den USA von 10-20%.
  • Verschiedene grosse Broker wie Goldman Sachs reduzieren die Gewinnschätzungen bei vielen US-Firmen.
  • Neben der US-Notenbank signalisieren jetzt auch die europäische- und chinesische- Notenbank, dass sie über eine Reduktion der ultralockeren Geldpolitik nachdenken.
  • 3.5bn USD Wirtschafts- und Infrastrukturpaket von US-Präsident Biden wackelt im Parlament. Biden hat die nötigen Stimmen noch nicht zusammen.
  • Ausweitende Produktionsengpässe der Industrie bremsen das Wachstum in Europa.


Der September ist der schlechteste Börsenmonat der Geschichte, oder etwa doch nicht?

Quelle: The Walthy Finn


Gemäss einer Untersuchung der Firma Fundstrat ist der September der schlechteste Börsenmonat des Jahres seit 1928.ABER in allen Fällen, in denen die Börse bis Mitte Jahr über 13% gestiegen ist (wie in dem Jahr der Fall) war der September ein guter Börsenmonat.

Es ist erstaunlich, dass nach einer Warnung vor einer 10-20% Korrektur der US-Börse der 6 grössten Broker in den USA, der Markt diese Woche "nur" 1% an Wert verloren hat. Die Verkäufe der Kunden dieser Banken wurden absorbiert. Es hat immer noch genügend Käufer die bereit sind bei den Kursen einzusteigen.

Contrarian oder Swarm-Investing?

Soll man besser mit der Masse investieren oder bewusst gerade das Gegenteil machen?

Die Börse ist eigentlich einfach zu verstehen. Wenn mehr Personen Aktien kaufen als verkaufen steigt sie, wenn mehr verkaufen als kaufen sinkt sie. Wenn nun alle Anleger positiv sind und auch in den Boulevard-Zeitungen steht, man soll jetzt investieren, wer soll dann noch kaufen? Alle haben bereits investiert. Eine Trendwende steht dann bevor. Wenn dagegen alle negativ sind und ihre Aktien verkauft haben, wer soll dann noch verkaufen? Da braucht es nur wenige Käufer und der Markt dreht nach oben.

Das Contrarian-Investing, also das Investieren genau gegen die allgemeine Marktmeinung, kann sich also lohnen. Im aktuellen Fall haben die grössten 6 US-Broker alle ihre spekulativen Positionen verkauft und alle ihre Kunden auch. Sollte die Börse in den USA nur leicht mit 2-5% zulegen, kommen all diese Investoren in Scharen wieder zurück, da sie Angst haben die Weihnachtsrally zu verpassen.


307 Tage seit der letzten Korrektur über 5% in den USA

Dies ist aktuell das Hauptargument der meisten Börsenstrategen, die vor einer Korrektur an der Börse warnen.

Quelle: Twitter, Bespoke Investment, @bespokeinvest, 08.09.2021


Die Bären (Anleger die tiefere Börsenkurse erwarten) argumentieren die Börse sei total überhitzt und eine Korrektur sei überfällig. Mit den 307 Tagen haben sie durchaus recht, aber ist das viel oder wenig, und bedeutet dies, dass die Börse sinken muss? Nicht unbedingt.

Quelle: Twitter, Bespoke Investment, @bespokeinvest, 08.09.2021


Die Grafik zeigt die Länge aller Börsenbewegungen an der US-Börse seit 1928 ohne eine Korrektur über 5%. Im historischen Vergleich sind 307 Tage zwar durchaus lange, aber es könnten auch noch 270 weitere Tage folgen. Die Begründung der 307 Tage ist also kein schlüssiges Argument.

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