Anleger reduzieren die Risiken, erfahren Sie, wie sich der Akteinmarkt verhält. Außerdem, Bitcoin vor dem Ende oder sehen wir nur eine gesunde Korrektur?

Chart der Woche

Quelle: Twitter: Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 06.05.2022

Der Chart zeigt in die Zinsentwicklung für 5-Jahres amerikanische Staatsanleihen (schwarze Linie) und die Inflationserwartung der Anleger (rot hinterlegt). Die beiden Preise divergierten seit dem Mai 2020 massiv. Nun gehen die Inflationserwartungen zurück und nähern sich dem aktuellen Zinsniveau an.  


Warum das wichtig ist


Obligationenanleger in den USA mussten den grössten Wertverlust seit dem Marshall-Plan 1948 erleiden. Dass die Inflationserwartungen nun zurück gehen sollte zu einer Beruhigung an der Zinsfront führen. Es ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen weiter so stark steigen werden, sondern auf dem aktuellen Stand verharren und sogar wieder etwas zurück gehen könnten.


Dies dürfte auch zu einer kleinen Erholung der Technologiewerte führen. Mittel- und langfristig dürften die Zinsen aber hoch bleiben, was schlecht für Wachstumsaktien (Growth) und gut für Substanzwerte (Value) sein dürfte.

Quelle: Twitter: Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 10.03.2022

Der Chart zeigt die Rendite von Value-Aktien in den letzten 16 Erholungen der Wirtschaft nach einer Rezession seit 1927 an. In wirtschaftlichen Erholungsphasen und bei steigenden Zinsen, legen Substanztitel in der Regel stark zu. Die Erholung von Value zu Growth, die wir in dem Jahr schon gesehen haben, ist erst der Anfang von einer längeren und grösseren Bewegung.

Anleger reduzieren die Risiken und treiben die Märkte nach unten


Die Nachwehen der Covid-Pandemie, die Zinswende in den USA und der Krieg in der Ukraine haben dazu geführt, dass Anleger ihre Anlagepolitik geändert und Risiken abgebaut haben.

Quelle: Isabelnet, 15.05.2022

Der Chart zeigt, dass nach zwei Jahren konstanten Zuflüssen nun das erste Mal grössere Abflüsse aus den Aktienmärkten erfolgen.

Quelle: Isabelnet, 15.05.2022

Der Chart gibt ein Indiz, was die Anleger mit dem Bargeld aus den Aktienverkäufen gekauft haben. In Zeiten von Unsicherheit legen US-Staatsobligationen meist zu. Die weiter unten beschriebenen Turbulenzen im Bitcoin-Markt sorgten für eine zusätzliche Flucht in Sicherheit und insbesondere auch in den USD. Viele Anleger haben panikartig alle USD-Stabelcoins verkauft und Zuflucht im realen USD gesucht.

Quelle: Isabelnet, 13.05.2022

Der Chart zeigt die Entwicklung des USD 25 Wochen vor und nach der ersten Zinserhöhung in einem neuen Zyklus seit 1984 an. Im Vergleich zu den letzten 5 Erholungsphasen hat der USD stärker zugelegt als üblich und begann meist so ab Woche 10-15 an Wert zu verlieren. Wir rechnen daher in den nächsten Wochen eher mit einem schwachen USD. Ausser der Krieg in der Ukraine würde nochmals massiv eskalieren.


Wir sehen zudem, dass viele Hedgefonds ihre Risiken reduzieren. Diese nehmen oft grosse Kredite auf und investieren diesen an den Finanzmärkten. Oft sind sie mit einem Hebel von 1:20 oder sogar 1:100 unterwegs. Um die Risiken zu reduzieren, müssen sie die guten Titel, die sie halten und an die sie langfristig glauben verkaufen um die Titel in denen sie short sind zurück zu kaufen.

Das führt meist für einige Wochen zu der Situation, dass die qualitativ guten Aktien an Wert verlieren und Aktien, an die niemand glaubt an Wert gewinnen. Solche Phasen treten alle 2-3 Jahre auf. Für langfristige Anleger aber meist eine gute Gelegenheit zu kaufen.


Netflix kann man nun zum Beispiel zum gleichen Kurs kaufen wie 2017. Damals hatte die Firma 80 Millionen Abonnenten, nun sind es über 220 Millionen. Die Firma hat aktuell ihre Probleme, aber wird daran nicht zugrunde gehen.
Ein anderes Beispiel ist Beyond Meat. Ein Anbieter, der mit Fleischersatzprodukten weltweit bekannt ist und dessen Produkte fast in jedem grösseren Supermarkt zu finden sind. Die Aktie wurde 2019 mit einem Preis von USD 25 an die Börse gebracht und wurde am ersten Handelstag bereits 84% höher, bei USD 46 gehandelt. Aktuell wäre sie wieder für USD 31 zu kaufen. 2019 hatte die Firma einen Umsatz von USD 90 Millionen, nun sind es USD 460 Millionen.  

Das sind nur zwei Beispiele von qualitativ guten Firmen, die Marktführer sind und aktuell sehr günstig zu haben sind.

Steht Bitcoin vor dem Ende?

Man muss hier zwischen zwei Dingen unterscheiden. Die Kryptowährung wie zum Beispiel Bitcoin und die Zukunft der Blockchain Technologie auf denen die Kryptowährungen basieren.

Quelle: Twitter: Jurrien Timmer, @TimmerFidelity, 26.04.2022

Der Chart zeigt die Adoptionskurve bzw. die Zeit, bis eine neue Technologie für alle Verfügbar war. Jede neue Produktkategorie und Technologie hat eine Adoptionskurve, d. h. die kumulative Rate, mit der eine Bevölkerung ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Technologie im Laufe der Zeit annimmt.

Bei der Erfindung von Stahl oder Beton dauert es fast 100 Jahre, bis die Technologie sich komplett durchgesetzt hatte. Mit der Globalisierung und Technologisierung wird die Zeitspanne zu der Adoption immer kürzer. Der Chart zeigt auf, dass Bitcoin und Ether erst einen kleinen Teil der Adoption hinter sich haben und welches Potential die Technologie noch hat. Eine weitere Adoption würde massive Preissteigerungen nach sich ziehen, da die Menge von Bitcoin und Ether fix festgelegt ist und nicht erhöht werden kann um die zusätzliche Nachfrage zu befriedigen.


Was ist ein Stablecoin?

Um Kryptowährungen handeln zu können, braucht man ein Konto auf einer der grossen Kryptohandelsplätze wie Coinbase. Verschiedene Banken bieten zwar direkt den Handel bzw. Produkte an, aber dann muss die Bank den Schritt machen, und ein Konto bei Coinbase oder einem anderen Anbieter eröffnen. Traditionelles Bargeld in den Währungen USD oder EUR lässt sich nur recht schwer transferieren. Deshalb wird sobald man die "reale" Welt verlässt und in die Kryptowelt eintaucht das Bargeld in Krypto-USD oder EUR gewechselt. Diese nennt man Stabelcoins. Die Stabelcoins sind 1:1 an den USD oder EUR gekoppelt und mit Sicherheiten hinterlegt. Das meinte man zumindest.


Kollaps der Stabelcoins

Einige waren nicht mit Sicherheiten hinterlegt, sondern Algorithmen und bei einigen waren die Sicherheiten nicht genügend. Als der Bitcoin in den letzten zwei Woche massiv einbrach zerbarsten einige der Stabelcoins wie zum Beispiel der TerraUSD. Terra (oder als Kürzel in den Cryptobörsen LUNA gehandelt) sank von 100% auf 16%. Aufgrund der sehr illiquiden Märkte konnte der Algorithmus nicht mehr handeln. Anleger die ihr Geld als Bargeld auf den Kryptobörsen in Terra hielten haben 84% des Wertes verloren. Dies führte zu einer massiven Verunsicherung und zu Panik-Verkaufswellen sowie Transfers in den realen USD und EUR. Das brachte wiederum kleinere Börsenplätze und Anbieter an den Rand des Abgrundes.

Aktuell sieht es so aus, dass die tödliche Abwärtsspirale gestoppt werden konnte und der Markt nicht vollständig kollabiert. Der Kollaps von TerraUSD ist zu vergleichen mit dem Kollaps der Investment Bank Lehmann Brothers, der die Finanzkrise auslöste. Theoretisch ist es möglich, dass der gesamte Kryptomarkt nun kollabiert, sehr wahrscheinlich ist es aber nicht.

Wir haben in früheren Marktberichten darauf hingewiesen, dass 80% der Bitcoins erschaffen wurden, aber noch nie gehandelt wurden. Es kommt jetzt ganz darauf an, wie diese Anleger reagieren. Verfallen sie in Panik und beginnen zu verkaufen, wäre dies das Ende des Bitcoins. Die Anleger halten die Bitcoins aber in Cold-Wallets. Das heisst, um sie verkaufen zu können, müssen sie die Bitcoins an eine Börse transferieren. Aktuell sieht man vereinzelt solche Bewegungen, aber es scheint, dass die meisten Anleger der ersten Stunde ruhig bleiben.    

Quelle: alternative, 15.05.2022
Quelle: alternative, 15.05.2022


Der Chart zeigt den aktuellen Angstindex und unten im historischen Vergleich. Seit der Messung dieses Index war erst einmal im Herbst 2019 ein tieferer Wert gemessen worden. Der Index gilt als Kontraindikator. Wenn alle Negativ sind, und keine Bitcoins mehr halten, können bereits kleine Käufe den Markt nach oben drehen.

Verschiedene Analysten haben schon seit Monaten darauf hingewiesen, dass noch zu viele Glücksritter im Bitcoin investiert sind. Damit sind Anleger gemeint, die in der Covid-Krise zum Cryptotrader wurden und hofften ohne Risiko ihr Kapital verzehnfachen zu können. Diese kapitulieren nun und liquidieren alle Bestände. Das wäre dann aber die Basis für eine gute und solide Erholung.

Wir glauben an eine grosse Zukunft der Blockchain Technologie. Welche Kryptowährung der auf dieser Technologie basiert, der Gewinner sein wird und die aktuelle Krise überleben wird, ist aktuell schwer vorauszusehen. Das Einzige was man klar prognostizieren kann ist, dass die Volatilität hoch bleiben wird.

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