Marmot Market Report Woche 21 von Martin Bürki

Haupt Wirtschaftsindikatoren widersprechen sich. Wird nichts mehr transportiert? Positionierung der Investoren.

May 30, 2024
4 min.
Marmot Marktbericht: Kalenderwoche 21 2024. Erfahren Sie die neuesten Finanznachrichten und verstehen Sie, wie sie einzuordnen sind.

Chart der Woche

Quelle: Isabelnet, 18.05.2024

Die vorliegende Grafik zeigt die jährliche Wachstumsrate des Leading Economic Index (LEI) der USA über einen Zeitraum von Januar 2000 bis April 2024. Der LEI wird auf einer sechsmonatigen, annualisierten Basis gemessen und in Prozent angegeben. Die Grafik illustriert drei wichtige Elemente:

  • Die blaue Linie stellt die jährliche Wachstumsrate des LEI dar.
  • Rote Abschnitte kennzeichnen Rezessionssignale.
  • Schwarze Abschnitte zeigen Warnsignale für mögliche wirtschaftliche Abschwünge.

    Die gelben vertikalen Balken markieren die Phasen von wirtschaftlichen Rezessionen, wie sie vom NBER Business Cycle Dating Committee festgestellt wurden.

Warum das wichtig ist

Der Leading Economic Index (LEI) ist ein zusammengesetzter wirtschaftlicher Indikator, der von The Conference Board veröffentlicht wird. Er setzt sich aus zehn ökonomischen Indikatoren zusammen, die als Frühindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung dienen. Diese Indikatoren umfassen unter anderem:

  • Auftragseingänge in der Industrie
  • Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe
  • Aktienkurse
  • Geldmengenentwicklung
  • Zinsspreads

Der LEI wird häufig verwendet, um zukünftige wirtschaftliche Aktivitäten und Wendepunkte in der Konjunktur zu prognostizieren. Ein sinkender LEI kann auf eine bevorstehende Rezession hindeuten, während ein steigender LEI auf eine wirtschaftliche Erholung oder Expansion deutet.

Historisch gesehen gab es immer dann, wenn der LEI in den negativen Bereich fiel und dort verweilte, eine hohe Wahrscheinlichkeit für das Eintreten einer Rezession. Dies war insbesondere in den Jahren 2000, 2008 und 2020 der Fall, wie die gelben Rezessionsbalken in der Grafik zeigen.

Das erste Mal seit 2000 hat der LEI die Marke von -5% überwunden, ohne dass es eine Rezession gab. Aber sind wir schon in Sicherheit, und die Rezession ist vom Tisch? Nicht ganz, da andere Indikatoren ein ganz anderes Bild zeigen.

Quelle: X, Lance Roberts, @LanceRoberts, 24.04.2024

Die vorliegende Grafik zeigt die prozentuale Veränderung der Vollzeitbeschäftigung in den USA im Jahresvergleich (YoY) von 1968 bis 2024. Die Daten werden in Prozent dargestellt und verdeutlichen die jährliche Wachstumsrate oder den Rückgang der Vollzeitbeschäftigung. Die wichtigen Elemente der Grafik sind:

  • Die schwarzen Bereiche stellen die positive Veränderung der Vollzeitbeschäftigung im Jahresvergleich dar.
  • Die roten Bereiche markieren die negative Veränderung der Vollzeitbeschäftigung im Jahresvergleich.
  • Die grauen vertikalen Balken repräsentieren Rezessionsperioden, wie sie vom NBER Business Cycle Dating Committee definiert wurden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, basierend auf den letzten Datenpunkten in der Grafik, sehen wir, dass die Veränderung der Vollzeitbeschäftigung im Jahresvergleich negativ ist (-0,41% in 2024). Dieser Rückgang ähnelt Mustern, die in früheren Rezessionsphasen beobachtet wurden. Der derzeitige negative Wert, obwohl weniger extrem als in einigen früheren Rezessionen, deutet auf eine Verlangsamung des Arbeitsmarktes hin.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die aktuelle negative Veränderung der Vollzeitbeschäftigung ein Warnsignal für eine mögliche bevorstehende Rezession in den USA darstellt. Die historische Korrelation zwischen negativen Veränderungen der Vollzeitbeschäftigung und wirtschaftlichen Abschwüngen verstärkt diese Sorge.

Wie auch schon in den bisherigen Marktberichten erläutert, sehen wir aktuell etwa die Hälfte der Wirtschaftsindikatoren, die Aussagen, dass keine Rezession mehr kommt und 50% Aussagen, dass sie nun kommt.

In einer solchen Marktphase agiert man am besten sehr konservativ. Es kann sein, dass wenn die Börse stark steigt, man etwas weniger verdient, aber dafür abgesichert ist, wenn die Rezession doch noch kommt.
Wird nichts mehr transportiert?
Ein möglicher Grund, warum viele Wirtschaftsindikatoren aktuell nicht mehr funktionieren ist, dass sie die US-Wirtschaft grundlegend verändert.

Quelle: Isabelnet, 25.05.2024

Die vorliegende Grafik zeigt die Entwicklung des Truck Tonnage Index (TTI) im Vergleich zum S&P 500 Index von 2002 bis 2024. Die Grafik nutzt zwei Y-Achsen:

  • Die linke Y-Achse (LHS) repräsentiert den Truck Tonnage Index in orange.
  • Die rechte Y-Achse (RHS) repräsentiert den S&P 500 Index in blau.

Von 2000 bis 2020 gab es eine sehr hohe Korrelation zwischen den beiden Indizes. Alles, was konsumiert wird, muss auch transportiert werden. Diese Korrelation geht auch noch weiter zurück. Einer der ältesten technischen Indikatoren, auf den schon Mr. Dow (der Begründer der Dow Aktienindizes) schaute, war der Vergleich zwischen dem Dow Jones Industrial und dem Dow Jones Transportation.

Der Truck Tonnage Index reflektiert die reale wirtschaftliche Aktivität, insbesondere im Güterverkehrssektor. Ein stabiler oder steigender TTI deutet auf eine gesunde industrielle Aktivität und Konsumnachfrage hin. Während der TTI eine stabilere, aber weniger dynamische Entwicklung zeigt, spiegelt der steile Anstieg des S&P 500 den Optimismus der Investoren wider, der durch günstige finanzielle Bedingungen und positive Erwartungen an die Unternehmensgewinne gestützt wird.

Seit der COVID-Krise verändert sich die Wirtschaft. Der grosse Aufschwung der Technologiewerte begann, der dann durch den Trend zur künstlichen Intelligenz noch weiter an Momentum gewann.

Quelle: Isabelnet, 18.05.2024

Die Grafik zeigt die erwarteten Gewinne der Magnificant-7 bis Ende 2024 (graue Linie) und die der restlichen 493 Firmen (blaue Linie) des S&P 500 (schwarze Linie).

Es wird für den Gesamtindex keinen grossen Zuwachs der Gewinn erwartet. Das ganze Gewinnwachstum stammt nur von den Magnificant-7 (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Meta und Tesla).

Damit kommen viele der traditionellen Wirtschaftsindikatoren nicht klar. Das ist dann auch der Grund für die sehr unterschiedlichen Aussagen.


Quelle: X, Michael A. Arouet, @MichaelAArouet, 26.04.2024

Die Grafik zeigt auf, wie stark die Gewichtung im S&P 500 der 10% grössten Gesellschaften nach Marktkapitalisierung ist. Nur zweimal seit 1926 war die Gewichtung so hoch wie heute:

  • 1926 bis 1933:Das war die Zeit der grossen Depression. Die Börse wurde dominiert von Value-Aktien von Firmen, die Produkte für den täglichen Gebrauch hergestellt haben: Protecter &Gamble, Coca Cola und Versorgungsunternehmen im Bereich der Elektrizität.
  • 1998 bis 2000:Die "erste" Technologieblase. Alle Firmen, die mit dem Internet zu tun hatten, stiegen auf astronomisch hohe Bewertungen.

Wird der Trend der künstlichen Intelligenz unser Leben verändern? Die Antwort ist ganz klar ja, aber dennoch gibt es Grenzen. Es werden immer mehr Vorschriften erlassen, die den Einsatz einschränken und damit auch die Verdienstmöglichkeiten der Firmen. Das kann in den nächsten 6 Monaten, aber auch erst in den nächsten 2 Jahren geschehen.

Nach wie vor müssen 90% der Dinge, die wir konsumieren, transportiert werden. Auch die "alten" Wirtschaftsindikatoren sind noch nicht tot.
Positionierung der Anleger

Quelle: Isabelnet, 16.05.2024

Die Grafik zeigt einen Index der zeigt, wie stark die institutionellen Anleger in Aktien positioniert sind. Der Index mischt die Erwartungen der institutioneller Anleger, den Anteil in der Asset Allokation in Aktien und in Cash.

Ist der Index auf dem Maximum, sind die Erwartungen an die Rendite der Investoren unrealistisch hoch und sie haben ihr Bargeld aufgebraucht, um zusätzliche Aktien zu kaufen. Normalerweise kommt es dann in den Märkten zu einer grösseren Korrektur.

Der Index zeigt, dass wir nahe bei den historischen Höchstwerten sind, aber noch Raum besteht und der Index weiter zulegen kann.  Das heisst, die institutionellen Anleger haben noch Bargeld, um die Kurse weiter nach oben zu treiben, aber nicht mehr viel. Es wird aber gefährlich und kann jederzeit zu einer Korrektur kommen.

Die Grafik zeigt die Assetallokation von Pensionskassen und ausländischen Anlegern in den USA. Hier sieht es kritischer aus. Die Allokation in Aktien ist auf einem Höchststand der letzten 35 Jahre. Von diesen Investoren sind nicht mehr grosse Käufe in Aktien zu erwarten.

Das Fazit aus den beiden Grafiken ist, dass die möglichen Kaufvolumen der Investoren, um die Kurse weiter nach oben treiben, immer geringer werden. In einer solchen Phase ist man gut beraten, die Risiken in den Portfolios etwas zu reduzieren.

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