Ist die Invasion der Ukraine durch Russland eine gute Gelegenheit für einen Einstieg in den Aktienmarkt?


Putin macht Ernst, droht nun ein Krieg mit Europa und den USA?

Im letzten Marktbericht von Montag haben wir geschrieben:

«Wir glauben immer noch, dass er es nicht tun wird, aber inzwischen ist die Lage so angespannt, dass ein kleiner Funke eine Explosion auslösen kann.»

Nun da lagen wir falsch. Ein Krieg in Europa war für uns undenkbar. Die beiden im letzten Marktbericht genannten Börsenregeln helfen bei der Beurteilung der weiteren Schritte:

  • Kaufen Sie, wenn die Kanonen donnern:
    Das Schlimmste für die Aktienmärkte ist die Ungewissheit. Wird es einen Krieg geben oder nicht? Kaufwillige Anleger warten mit dem Kauf, ängstliche Anleger verkaufen. Der Aktienmarkt läuft langsam nach unten. Sobald die Lage klar ist, stürzen sich die ersten Käufer auf den Markt. Historisch gesehen war dies immer ein guter Zeitpunkt für Käufe. 
  • Politische Aktienmärkte haben kurze Beine:
    Das Wichtigste für die Aktienmärkte ist, wie sich die Unternehmen entwickeln und welche Gewinne sie erzielen. Das Zweitwichtigste ist, wie sich die Unternehmen entwickeln und welche Gewinne sie erwirtschaften. Und das drittwichtigste ist die Politik der Zentralbanken. Die Politik kann sich kurzfristig auf die Märkte auswirken, zum Beispiel, wenn der Ölpreis in die Höhe schießt, aber langfristig sind die Auswirkungen für die langfristige Performance der Unternehmen nicht relevant.


Ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt?

Die Invasion der Ukraine wird sich wohl etwas hinziehen. Obwohl die ukrainische Armee krass unterlegen ist, ist nicht davon auszugehen, dass die Führung wie in Afghanistan alles stehen und liegen lässt und ins Ausland flieht. Bis die Invasion abgeschlossen ist kann es 1-2 Wochen dauern. Daher ist es wohl jetzt noch zu früh, um zu kaufen.

Entscheidend wird nun sein wo Putin stoppt. Bleibt es bei der Ukraine? Mit der gleichen Begründung wie er in die Ukraine einmarschiert ist, könnte er noch viele weitere Länder angreifen. Russland hat bereits so viele internationale Verträge gebrochen, dass unklar ist wie viele noch dazukommen. Wir denken nicht, dass er die Nato direkt angreifen wird, aber aktuell ist nichts wirklich ausgeschlossen.
Einen weiteren Player, den man nicht vergessen sollte, ist China. China könnte versucht sein die Situation zu nutzen und nun Taiwan einzunehmen, wenn der Westen und die USA zu zögerlich reagieren und Russland die Invasion ohne grosse Folgen durchführen kann. Damit bekommt das Thema eine zusätzliche globale und sehr strategische Dimension.

Die Krise trifft zudem die Aktienmärkte zu einer schlechten Zeit. Nach dem grossen Kursanstieg seit dem Ausbruch der Covid-Krise sind viele Firmen stolz bewertet und eine grössere Korrektur überfällig. Gestern sind in den USA die Aktienkurse durch wichtige charttechnische Widerstandszonen nach unten durchgebrochen, was auf eine weitere Korrektur von einigen Tagen hindeutet.


Welche Sanktionen kommen?

Wichtig für die Börse wird nun auch sein, welche Sanktionen kommen werden. Die grösste Bestrafung wäre natürlich, kein Gas und Öl mehr von Russland zu kaufen. Das kann sich Europa aber im Winter nicht leisten. Europa ist aktuell abhängig von russischen Gas- und Öllieferungen. Das ist auch der Grund warum Putin gerade jetzt die Aktion durchführt und nicht im Sommer.

Ein harter Schlag wäre Russland vom SWIFT-Zahlungssystem (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) auszuschliessen. Da der Gas- und Ölhandel in USD stattfindet wäre das ein harter Schlag. Zudem würde das den Bitcoin wohl stark abstürzen lassen, da nach dem Crypto-Verbot viele Miner von China nach Russland gezogen sind, und dann nicht mehr an ihre Bitcoins kommen. Der Ölpreis hat dann auch seit der Invasion fast 10% zugelegt und der Bitcoin ist um 5% eingebrochen.

Der hohe Ölpreis ist zudem eine grosse Gefahr für den weltweiten Handel. In Zeiten von bereits sehr hoher Inflation kann dies die Inflation weiter ankurbeln und für massiv höhere Kosten und tiefen Erträgen bei vielen Firmen führen. Die amerikanische Notenbank könnte hier stützend eingreifen, indem sie die erwarteten Zinserhöhungen verschiebt. 

Der Westen muss sich aber auch bewusst sein welche Auswirkungen die Sanktionen mittel und langfristig haben. Verbietet die USA und Europa den Banken den Rohstoffhandel mit Russland weiter zu finanzieren, werden Chinesische Banken noch so gerne einspringen. Was Russland in die Arme von China treibt und die Polarisierung verstärken wird.


Rolle der Schweiz

Die Schweiz ist als neutrales Land in einer sehr schwierigen Situation. Kann man neutral bleiben, wenn das Völkerrecht so klar missachtet wird? Normalerweise orientiert sich die Schweiz an der UNO, die ist aber hier wegen dem Vetorecht der Russen aus dem Spiel.
Erschwerend kommt dazu, dass 80% des Rohstoffhandels von Russland über die Schweiz läuft. Die Schweiz hat also eine sehr starke Position. Wenn sie den Handel aber stoppt, versinkt Europa im Energiechaos und wird frieren. Der Bundesrat ist sich dieser Lage bewusst und handelt vorsichtig.


Fazit:

Jetzt zu kaufen ist nur für sehr mutige Investoren. Den absoluten Tiefststand trifft man fast nie. Es ist daher sicherer noch einige Tage zu warten und die Entwicklung zu beobachten.
Hat man ein weltweit gut diversifiziertes Portfolio drängt sich nicht auf jetzt in Panik zu verkaufen. 

Der heutige Tag wir die Welt und insbesondere Europa verändern. Es wird nun (leider) eine massive Aufrüstung in ganz Europa und insbesondere der NATO stattfinden. 


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