Rendite von Anleihen erklärt, wie geht es mit der Inflation weiter? Wir klären auf, anhand aktueller Charts.

Chart der Woche

Quelle : JPM Guide to Markets Q1 2022, Seite 66


Der Chart zeigt den aktuellen Stand von verschiedenen Obligationenanleihen. Ganz links die Obligationen mit dem tiefsten Risiko (Staatanleihen der Industrieländer mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 0.1-0.3%) und ganz rechts Obligationen mit sehr hohem Risiko (Staatsanleihen von sehr risikoreichen Schwellenländern mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 30-70%). Der Zins ist jeweils in der Landeswährung angegeben, in den Schwellenländern in USD.

Warum das wichtig ist:

Für eine 10-Jahres Staatsanleihe in den USA bekommt man aktuell ca. 1.8% Zins bei fast keinem Risiko. Das ist einiges mehr als in Deutschland, wo der Anleger noch draufzahlen muss, dass der Staat das Geld nimmt.

Am letzten Mittwoch wurden in den USA der aktuelle Anstieg der Konsumpreise, also die Inflation, publiziert.

Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 12.01.2022, Zeitstempel: 1.58

Mit über 7% Inflation fiel der Wert höher aus als erwartet. Es ist die höchste Inflation in den USA seit 1980.

Inflation bedeutet einen Wertverlust auf allen Bargeldbeträgen die man hält, von 7%. Das Geld hat sich um 7% im Vergleich zum Vorjahr entwertet. Um das zu verhindern muss man sein Geld anlegen.

Legt man sein Geld in 10-Jahres Staatsobligationen an so vermindert sich der Wertverlust auf 5.2%. Das ist weniger als 7% aber immer noch stark negativ. Die einzige Möglichkeit für einen US-Obligationenanleger den Wert seines Vermögens zu erhalten wäre eine Anlage in Staatsanleihen in den Schwellenländern wie Türkei, Russland oder Argentinien mit Ausfallraten bis zu 70%.

Dies führt dazu, dass fast alle Anlagegelder in den Aktienmarkt fliessen. Nur dort erzielt man noch eine Rendite, die höher ist als der Wertverlust der Inflation.

Exkurs: Obligationenpreise

In den letzten 30 Jahre sind die Zinsen fast kontinuierlich gesunken. Ein Obligationenanleger konnte also sicher sein während der Laufzeit der Obligationen, mit einem Gewinn zu verkaufen.

Beispiel: Man kauft eine Obligation der Firma Nestle zum Preis von 100, mit einem Zins von 2% und einer Laufzeit von 10 Jahren. Nach einem Jahr sinken die Zinsen von 2% auf 1%.

Da der Zins der Obligation fix ist läuft die Anpassung über den Preis. Ein Anleger oder eine Anlegerin, die die Obligation in einem Jahr kauft sollte 1% Zins erhalten, gleichviel wie wenn man eine neue Anleihe zu aktuellem Zins kauft. Der Preis der Obligation steigt nun auf 109 (1% Zins für 9 Jahre). Der Preis verringert sich dann bis zum Ablauf der Obligation wieder auf 100. Ein Anleger oder eine Anlegerin die Geld braucht, kann jedoch jederzeit vor Ablauf verkaufen und macht neben dem Zins einen zusätzlichen Kapitalgewinn.

In den USA werden für 2022 drei Zinserhöhungen der Notenbanken erwartet. Die bisherige angenehme Situation für Obligationenanleger ändert nun komplett.

Gleiches Beispiel wie oben aber die Obligation wird zu 1% Zins gekauft und der Zins steigt in einem Jahr auf 2%. Der Preis der Obligation sinkt nun auf 91 (1% für 9 Jahre). Der Preis steigt dann bis zum Verfall in 9 Jahren wieder langsam auf 100 an. Ein Anleger oder eine Anlegerin die Geld braucht, muss also mit einem Verlust von bis zu 9% rechnen, und dies bei sicheren Anlagen wie Obligationen.

Auf Obligationenanleger kommen in den nächsten Jahren schwere Zeiten zu. Nach wie vor negative Realrenditen (Rendite minus Inflation) und potentielle Kapitalverluste.

Inflationsausblick

Für 2022 ist das grösste Anlagerisiko die Inflation. Die Notenbanken betonen bei jeder Gelegenheit, dass die Inflation nur Temporär wegen Covid so hoch ist, und sich bald abschwächen wird. Sie basiert Ihren Ausblick auf Argumenten wie diesem:

Quelle: Godmode Trader, 14.01.2022

Der Chart zeigt den Preisindex der Einkaufsmanager von grossen Firmen in den USA an. Dieser Index war in den letzten 20 Jahren ein guter vorauslaufender Indikator für die Inflation. Der Chart deutet darauf hin, dass die Inflation jetzt zu hoch ist und in den nächsten Monaten wieder sinken sollte. Der Kostendruck der Firmen nimmt ab.

Ob dies so kommen wird, ist aber nicht eindeutig.

Quelle: Godmode Trader, 14.01.2022

Die Notenbank von New York hat einen eignen Index berechnet, der die verschiedenen Komponenten der Lieferprobleme zusammenfasst. Der Index zeigt noch keine Entlastung an. Die Lieferketten sind nach wie vor stark aus dem Lot und könnten für höhere Preise sorgen.

Quelle: JPM Guide to Markets Q1 2022, Seite 24

Die Grafik zeigt die Arbeitslosigkeit (lila) und die offenen Jobs in Millionen in den USA. Die Zahl der offenen Jobs ist höher als die Zahl der Arbeitslosen Menschen. Dazu kommen noch die zum Teil fehlenden Qualifikationen der Arbeitssuchenden.

Es ist gut möglich, dass zwar die Probleme der Lieferketten in den nächsten Monaten abnehmen, aber dafür der Druck der Lohninflation steigt. Für eine Entwarnung ist es nach wie vor zu früh.



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