Zu viel Pessimismus bei den Anlegern, Bitcoin: Von Walen und Fischen und Tipps zur Walbeobachtung.

Chart der Woche

Quelle: AAII (American Association of Individual Investors), 27.11.2021


In einer wöchentlichen Umfrage ermittelt die Organisation mit über einer Million Mitglieder die allgemeine Marktstimmung. Vor 3 Wochen waren die positiv denkeneden Anleger klar in der Mehrheit (42%), in der aktuellen Woche haben aber nun die Pessimisten mit 42% klar die Führung übernommen. Dies ist eine der stärksten und schnellsten Zunahmen der Anleger die von sinkenden Märkten ausgehen seit Jahren.

Warum das wichtig ist:

Die neue Omikron Variante des Corona-Virus löst eine Panik aus. Diese scheint aber übertrieben. Wenn die meisten Anleger schon verkauft haben, reichen wenige positive Nachrichten um den Markt wieder steigen zu lassen.

Aktienmärkte bei steigenden Zinsen

Die Notenbank in den USA hat vor einigen Wochen damit begonnen, die Käufe von Obligationen zu reduzieren. Die Märkte haben das bisher gut verkraftet. Bei der aktuellen Geschwindigkeit der Notenbank ist mit der ersten Zinserhöhung per Mitte 2021 zu rechnen. Wie verhalten sich die Aktienmärkte, wenn die erste Zinserhöhung kommt?

Quelle: Isabelnet, 2.12.2021

Die Grafik zeigt den durchschnittlichen Kursverlauf der Aktienmärkte ein Jahr vor der ersten Zinserhöhung und zwei Jahre danach.

Glaubt man dieser Analyse, so können wir aktuell noch mit steigenden Märkten rechnen. Erst ab der ersten Zinserhöhung im Wirtschaftszyklus sinken die Märkte. Dann kommt es jedoch stark darauf an wie schnell dies geschieht. Aktuelle Aussagen der Notenbanken deuten auf einen langsamen Erhöhungszyklus hin. Das wäre für die Märkte verkettbar. Sollten die Notenbanken aber in hohem Tempo die Zinsen erhöhen, so würden die Aktienmärkte klar sinken.

Bitcoin: Von Walen und Fischen

Der Kryptomarkt ist nicht reguliert und es gibt keinen Anlegerschutz. Der Markt verspricht hohe Gewinne ohne ein Sicherheitsnetz. Der Wilde-Westen für Anleger. Genau das macht wohl die Faszination für viele Anleger aus, dort Ihr Glück zu versuchen.

Ein Bitcoin-Wal bezieht sich auf Personen oder Unternehmen, die große Mengen an Bitcoin halten. Wale halten so viel Kryptowährung, dass sie das Potenzial haben, die Bewertungen der Währung zu manipulieren. Anleger mit mehr als 1000 Bitcoins (60 Millionen USD) nennt man Wale, Anleger mit mehr als 100 Bitcoins (6 Millionen USD) Fische.

An den Kryptomarkten kommt es täglich zu Marktmanipulationen und Wale gehen rücksichtslos vor, um Gewinne zu erzielen. Im regulierten Markt für Aktien und Obligationen sind die meisten Aktivitäten der Wale strafbar, hier aber nicht. Deshalb kommt der Aktivität der Wale eine grosse Bedeutung zu. Der sicherste Weg nicht gefressen zu werden ist es, hinter den Walen und Fischen zu Schwimmen.

Tipps zur Walbeobachtung

Es wird immer geschrieben, der Kryptomarkt sei völlig anonym. Das stimmt zwar aber gleichzeitig ist er so transparent wie kein anderer Markt. Jeder Bitcoin lässt sich genau nachverfolgen, wer ihn wann hatte. So weiss man zum Beispiel, dass der grösste User mit dem Namen 1P5ZEDWTKTFGxQjZphgWPQUpe554WKDfHQ, aktuell 115'315 Bitcoins besitzt (6,5 Milliarden USD). Es gibt im Internet Datenbanken die genau aufzeigen welcher User wie viele Bitcoins besitzt, und ob er dazu kauft oder verkauft. Was man hingegen nicht kennt ist, wer sich hinter dem Usernamen versteckt.

Daher ist es recht einfach, die Aktivitäten der grössten Kryptobesitzer genau zu verfolgen:

Quelle: Youtube InvestAnswers vom 02.12.2021, Zeitstempel: 5.17

Bei allen blauen Punkten haben die Wale verkauft. Ein klares Signal auch zu verkaufen. Bei allen orange und roten Punkten haben die Wale gekauft. Sobald die Wale beginnen zu kaufen stand eine grössere Rallye bevor. Am 1. Dezember gab es den ersten roten Punkt nach einer langen blauen Phase.

Es gibt aber noch andere Möglichkeiten Wale zu erkennen. Dazu muss man verstehen wie diese Handeln. Wie in einem normalen Markt gibt es Personen die Bitcoins verkaufen wollen (zum Beispiel für 5 Stück für 56'900 und 10 Stück für 57'000) und Personen die kaufen wollen (zum Beispiel 8 Stück für 56'800 und 2 Stück für 56700). Ein typisches Orderbuch eines Marktplatzes sieht dann so aus:

Quelle: Binance, martinvestments

Gehen wir mal davon aus, dass ein Wal nun mit stark steigenden Kursen rechnet und zusätzliche 50 Bitcoins kaufen möchte. Er hat zwei Möglichkeiten:

  • Er gibt einen Kaufauftrag 50 Bitcoins zum besten Preis zu kaufen. Er kauft also zuerst 5 Bitcoins zu 56'900, dann 10 zu 57'000, dann 13 zu 57'100,... bis er 50 Bitcoins hat. In der Fachsparache heisst das "er räumt das Orderbuch nach oben ab". Er bezahlt einen Durchschnittskurs von 57'124 pro Bitcoin
  • Er sieht das grosse Kaufsvolumen bei 56'200. Er verkauft nun 50 Bitcoins und räumt das Orderbuch nach unten ab. Dies macht er mit Leerverkäufen. Er verkauft also Bitcoins die er nicht hat und drück damit den Kurs auf 56'200. Dann gibt der Wal eine Kauforder von 100 ein. Damit schliesst er die Position seiner 50 Bitcoins die er leer verkauft hat und hält nun seine 50 Bitcoins die er kaufen wollte. Diese Abfolge von Aufträgen geschehen in wenigen Sekunden. Sein Kaufpreis für 50 Bitcoins beträgt 56'200 und durch den kurzfristigen Leerverkauf hat er einen Gewinn von 17'900.- USD erzielt.

Gegenüber der Ersten Variante hat der Wal bei der zweiten Variante 3% günstiger gekauft und dazu noch einen Gewinn von 17'900 USD gemacht. Sehr negativ ist die Transaktion für alle Kleinanleger die bei 56'600 und 56'500 einen Stop-Loss Auftrag gesetzt hatten, um ihre Verluste zu begrenzen. Sie werden zu einem schlechten Kurs aus dem Markt gedrängt, und der Kurs schnellt dann schnell nach oben.

Solche Kursbewegungen die von Walen ausgelöst werden, lassen sich beobachten:

Quelle: Tradingview, martInvestments

Der Chart zeigt den Kursverlauf im 5-Minuten Chart der Kryptowährung Ether der letzten 8 Tage an. Mit Kreis markiert sind die offensichtlichen Wal-Aktivitäten. Es fällt unschwer auf, dass diese immer genau bei kurzfristigen Hochs oder Tiefs auftauchen. Dies lässt sich für den kurzfristigen Handel gut nutzen.


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