Chart der Woche

Die Grafik zeigt die Monate, in denen Aktien und Anleihen in den Vereinigten Staaten seit 1973 gleichzeitig deutliche Verluste verzeichneten. In den letzten 50 Jahren kam dies zuvor nur dreimal vor – und nun, im April 2022, zum vierten Mal.
Warum das wichtig ist
Viele Anleger fragen sich, ob sie nach den schwachen Renditen der letzten zwei Monate ihr Portfolio komplett umstrukturieren und insbesondere das Risiko minimieren sollten. Eine Reihe höchst ungewöhnlicher Umstände beeinflusst derzeit die Aktien- und Anleihemärkte. Nach der Pandemie sind die Lieferketten weiterhin gestört, es findet eine Zinswende nach einer beispiellosen ultra-expansiven Geldpolitik statt, und es herrscht Krieg in der Ukraine. Die obige Grafik zeigt, wie selten es vorkommt, dass die beiden wichtigsten Anlageklassen gleichzeitig an Wert verlieren. Sein Portfolio auf ein außergewöhnliches Ereignis auszurichten, das in 50 Jahren nur viermal aufgetreten ist, ergibt keinen Sinn.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf die rollierenden Einjahresverluste des S&P 500. Um einen vergleichbaren Zeitraum mit einem größeren Verlust zu finden, muss man bis ins Jahr 1974 oder 1937 zurückgehen – also ein Ereignis, das etwa alle 50 Jahre eintritt.

Hier muss man noch weiter in die Vergangenheit zurückblicken, um vergleichbare Zahlen zu finden – bis hin zum Marshallplan im Jahr 1948.
Man sollte jetzt Ruhe bewahren und an seiner langfristigen Anlagestrategie festhalten.
Schlechte Wirtschaftsdaten und negative Stimmung
Am Donnerstag wurden in den Vereinigten Staaten die Zahlen zum BIP-Wachstum veröffentlicht. Von Wachstum konnte leider keine Rede sein. Im ersten Quartal 2022 schrumpfte das BIP um 1,4 %.

Die Grafik zeigt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten seit 2019.
Analysten hatten für das erste Quartal 2022 ein Wachstum von 1,2 % erwartet. Sollte das Wachstum auch im zweiten Quartal negativ ausfallen, wäre die Definition einer Rezession erfüllt.
Die Zahlen zeigen, dass sich die US-Wirtschaft bereits spürbar abkühlt. In einer solchen Phase die Zinsen so aggressiv anzuheben, wie es derzeit von der US-Notenbank erwartet wird, halten wir für unverantwortlich.
Momentan kommen viele negative Entwicklungen zusammen. China kämpft derzeit mit begrenztem Erfolg darum, weitere Ausbrüche der COVID-Pandemie einzudämmen. Die strikten Lockdowns von Städten und Industrieanlagen verhindern, dass die Lieferketten zur Normalität zurückkehren.

Die Grafik zeigt den Schiffsstau im Hafen von Shanghai, dem weltweit größten Containerhafen. Viele Frachtschiffe können keine Waren entladen oder laden. Dies führt zu erheblichen Lieferverzögerungen bei Produkten und Komponenten in den Vereinigten Staaten und Europa.
Hohe Inflation und gestiegene Hypothekenzinsen schmälern das verfügbare Einkommen der US-Haushalte in einem Ausmaß, wie es seit 1970 nicht mehr der Fall war:

Auch aus dem Ukraine-Krieg gibt es weitere schlechte Nachrichten. Ein Ende des Krieges oder ein Friedensabkommen scheinen noch in weiter Ferne zu liegen. Ein europäischer Boykott russischer Gas- und Ölimporte wird immer wahrscheinlicher. Dies dürfte zu einem weiteren starken Anstieg der Energiepreise führen. All dies belastet auch die Verbraucherstimmung.

Die Grafik zeigt die Verbraucherstimmung in den Vereinigten Staaten seit 1980. Die aktuellen Werte nähern sich dem Niveau der Finanzkrise an.
Wie der Fear & Greed Index von CNN Money zeigt, ist die Stimmung unter Anlegern schlecht.


Im Vergleich zu historischen Werten (untere Grafik) sind die Zahlen jedoch noch nicht schwach genug, um auf eine unmittelbare Kurserholung hinzuweisen. Wir gehen daher davon aus, dass die Märkte in den nächsten 1–2 Wochen herausfordernd bleiben.
Wir nutzen diese Phase, um aktive Manager auszutauschen, die uns in diesem Jahr enttäuscht haben. Infolgedessen erhöhen wir vorübergehend unsere Cash-Quote.
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