Das Dilemma der Notenbanken bringt Risiken für Anleger, Wer kauft heute noch Obligationen?

Chart der Woche

Quelle: Isabelnet, 21.10.2021

Der Chart zeigt die Zunahme von Frachttransporten in den USA im Vergleich zum Aktienindex S&P 500. In den letzten 20 Jahren war die Transportmenge in den USA ein verlässliches Zeichen über den Zustand der Wirtschaft. Haben die Firmen mehr Verkauft, so stiegen die transportierten Güter, umso mehr verdienten die Firmen und umso mehr stieg der Gewinn und der Firmenwert. Seit dem Ausbruch der Covid-Krise gilt dieser Zusammenhang nicht mehr.

Warum das wichtig ist:

Der Anstieg an der Börse der letzten 1.5 Jahre ist nicht mit dem traditionellen Wachstum der Wirtschaft erklärbar. Die Aktienpreise entkoppeln sich von der wirtschaftlichen Realität und werden anfällig für eine Korrektur.

Das Dilemma der Notenbanken bringt Risiken für Anleger

Quelle: Federal Reserve Economic Database (FRED): M2 Money Supply, 29.10.2021

Der Chart zeigt die Entwicklung der Geldmenge M2 seit dem Jahr 2000. Die Geldmenge M2 wird definiert durch den Bargeldumlauf plus Sichtguthaben von Nichtbanken bei Kreditinstituten, plus allen Sparguthaben einer Volkswirtschaft. Aufgrund der lockeren Geldmarktpolitik und der Notprogramme der Regierungen sind die verfügbaren Finanzmittel der gesammten US-Volkswirtschaft stark angestiegen. Schätzungen zeigen, dass ca. 1/3 dieser Guthaben in die Aktienmärkte geflossen sind. Beim Anstieg der Aktienmärkte handelt es sich also in erster Linie um eine Liquiditätsblase.

Steigt die Geldmenge stärker an als die Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft, löst dies normalerweise Inflation aus. Der Auftrag der Notenbanken ist es, eine hohe Inflation zu verhindern.

Die Notenbanken sind ein sehr hohes Risiko eingegangen, als sie zur Lösung der Covid-Krise zugelassen haben, dass die Geldmenge so stark steigt. Um ihren Auftrag, die Bekämpfung von Inflation, zu erfüllen MÜSSEN sie nun die Geldmenge wieder auf den ursprünglichen Wachstumspfad zurück führen.

Wie sollen die Notenbanken die Liquidität reduzieren, um Inflation zu verhindern, ohne dass die Liquiditätsblase an den Aktienbörsen platzt und es zu schmerzlichen Verlusten kommt? Die Person, die dieses Dilemma löst qualifiziert sich für den Nobelpreis. Eine solche Verwerfung an den Geld- und Aktienmärkten gab es noch nie in der Vergangenheit.

Aktuell signalisiert die US-Notenbank, dass sie noch in diesem Jahr mit einer Reduzierung der lockeren Geldpolitik beginnen wollen. Der nächste Entscheid der Notenbank erfolgt am 3. November. Die Anleger befürchten aktuell, dass die US-Notenbank zu schnell und zu stark einschreiten könnte. Aus dem Grund kommt es aktuell zu einer Verflachung der Zinskurve.

Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 28.10.2021, Zeitstempel: 6.01

Seit dem Juni nimmt die Differenz zwischen den langfristigen Zinsen und den kurzfristigen Zinsen ab. In den letzten Wochen sind vor allem die kurzfristigen Zinsen stark gestiegen. Eine Verflachung der Zinskurve ist normalerweise ein Frühindikator für ein schwaches Wachstum.


Quelle: Isabelnet, 22.10.2021

Der Chart zeigt den Einkaufsmanagerindex (ISM, helblau) und ein von der Distrikt-Notenbank von Philadelphia entwickelter Frühwarnindikator (dunkelblau) auf. Der Chart legt den Schluss nahe, dass wir in den nächsten Monaten ein sehr tiefes Wachstum oder gar eine Schrumpfung der Wirtschaft sehen werden.

Alle Daten deuten aktuell darauf hin, dass wir in eine Stagflation geraten könnten. Stagflation beschreibt eine Wirtschaftsentwicklung mit tiefem Wachstum (Stagnation) und hoher Inflation.

In einer solchen Wirtschaftsphase sieht man in der Regel negative Realzinsen. Aktienanlagen die einen gewissen Inflationsschutz bieten sind dann gefragt. Also Aktien von Firmen die eine grosse Marktmacht haben und die Preise erhöhen können. In der Regel findet man solche Aktien unter den Substanz-(Value) Aktien.

Wer kauft heute noch Obligationen?

Aufgrund der Covid-Krise halten die Notenbanken die Zinsen tief.

Quelle: Twitter: Jurrien Timmer (CIO Fidelity), @TimmerFidelity, 26.10.2021

Der Chart zeigt die Zinsen (nominale Rendite) der 10-Jahres US-Staatsanleihen und die Realrendite für Anleger. Die Realrendite ist die nominale Rendite minus die Inflation. Seit diesem Jahr wird diese Diskrepanz zwischen der Nominalen- und Realen-Rendite immer grösser. Die Zinsen steigen zwar leicht an aber weniger als sie aufgrund der hohen Inflation müssten.

Dies führt dazu, dass fast keine Anleger mehr Obligationen kaufen.

Quelle: Isabelnet, 25.10.2021

Die Grafik zeigt den Abteil von Obligationen von Privatanlegern (dunkelblau), Banken in der Anlageberatung (hellblau) und Fondsmanager (orange). Der Anteil an Obligationen in den Portfolios nimmt seit Jahren ab. Die Schulden der Staaten steigen aber aufgrund der Covid-Krise stark an. Da fragt man sich wer denn eigentlich all die Staatsanleihen kauft?

Die Antwort liegt auf der Hand. Der grösste Käufer von Staatsanleihen sind die Notenbanken. Dadurch erhöhen sie aber die Geldmenge. Das zeigt ein weiteres Dilemma der Notenbanken. Wenn sie die Geldmenge senken wollen, dürfen sie keine Staatsanleihen mehr kaufen. Dies würde zu stark steigenden Zinsen führen und zu einer Rezession.


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