Marktberichte

Gemischte Quartalszahlen und Angst vor der Ukraine-Krise, Aktiensplits, große Bewegungen am Anleihemarkt.

February 14, 2022
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Martin Bürki

Chart der Woche

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Isabel.net, 12.02.2022

Die Grafik zeigt, wie viel Geld Anleger in den letzten Wochen aus den US-Aktienmärkten abgezogen haben. Die Abflüsse haben einen neuen Tiefstand seit Januar 2017 erreicht.


Warum das wichtig ist

Die Grafik verdeutlicht, wie pessimistisch viele Anleger derzeit sind. Sie zeigt aber auch, dass die meisten Anleger, die verkaufen wollten, dies bereits getan haben. Historisch gesehen folgten auf solche Momente oft erneute Käufe und eine entsprechende Erholung am Aktienmarkt.

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Isabel.net, 12.02.2022

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Ein sehr ähnliches Bild zeigt der Sentiment-Index der American Association of Individual Investors (AAII). Die Verkaufsaktivität lag deutlich über dem Durchschnitt, und auf diesem niedrigen Niveau hat sich die Anlegerstimmung in der Vergangenheit meist wieder gedreht.

Wer bisher nicht verkauft hat, sollte dies jetzt nicht mehr tun. Wer über Liquidität im Portfolio verfügt, sollte einen Markteinstieg zu diesem Zeitpunkt in Erwägung ziehen.

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Gemischte Quartalszahlen und Angst vor der Ukraine-Krise.

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 05.02.2022, Zeitstempel: 5.06

Die Grafik zeigt die Wertentwicklung einzelner Sektoren im S&P 500 im Vergleich zum Gesamtindex. Seit Jahresbeginn hat sich die Marktführerschaft komplett verschoben. Alle Sektoren, die im letzten Jahr die Favoriten waren, haben schlechter abgeschnitten als der breite Markt. Ein solcher Januareffekt ist am Aktienmarkt nicht ungewöhnlich.

Die laufende Berichtssaison findet bei vielen Anlegern kaum Beachtung. Die Angst vor einer Eskalation der Ukraine-Krise macht sich breit. US-Präsident Joe Biden hat klar gestellt, dass die Vereinigten Staaten nicht wegen der Ukraine in den Krieg ziehen würden. Zudem ist die Ukraine wirtschaftlich unbedeutend. Warum reagiert der Aktienmarkt also so negativ auf die Krise?

Sollte Russland in die Ukraine einmarschieren, würden harte Sanktionen gegen Russland verhängt werden, und das Land würde wahrscheinlich vom internationalen Zahlungssystem SWIFT abgeschnitten. Dies würde zu Engpässen bei der Öl- und Gasversorgung führen. Die Preise sind bereits stark gestiegen. In der Folge würde sich die Inflation in Europa und auch in den USA wahrscheinlich weiter beschleunigen.

Russland hat sich außenpolitisch bisher sehr geschickt verhalten und Schwächen der USA oder Europas oft genutzt, um seine Position zu stärken. Eine Invasion jetzt, während die ganze Welt zuschaut, erscheint uns untypisch und unwahrscheinlich. Zudem würde der russische Präsident Wladimir Putin innenpolitisch unter Druck geraten, wenn er in ein Land einmarschieren würde, das strategisch als weniger bedeutend gilt, wie etwa die Ukraine. Die Krim war etwas anderes. Dort befindet sich Sewastopol, der einzige eisfreie Hafen der russischen Marine.

Bitcoin reagiert derzeit sehr stark auf die Ukraine-Krise. Das hängt damit zusammen, dass viele Miner nach dem Bitcoin-Verbot in China ihre Aktivitäten nach Russland verlagert haben. Sollten harte Sanktionen gegen Russland verhängt werden, könnten die Miner ihre Bitcoins möglicherweise nicht mehr aus dem Land transferieren.

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Aktiensplits.

Google hat diese Woche einen Aktiensplit im Verhältnis 20 zu 1 angekündigt. Am 15. Juli 2022 wird der Aktienkurs von Google durch den Faktor 20 geteilt, und jeder Anleger erhält 19 zusätzliche Aktien. In den letzten Jahren war das Thema etwas aus dem Fokus geraten.

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Isabel.net, 12.02.2022

Die Grafik zeigt, wie stark die Anzahl der Aktiensplits in den letzten Jahren zurückgegangen ist.

Die Google-Aktie notiert derzeit bei 2.865 USD. Für Privatanleger, die ein diversifiziertes Portfolio aus 15 bis 20 Aktien aufbauen möchten, kann dies problematisch sein. Wollen sie nicht mehr als 5 % in Google investieren, müssten sie insgesamt 57.000 USD anlegen. Fällt der Kurs nach dem Aktiensplit auf 143 USD, ließe sich ein diversifiziertes Portfolio bereits mit rund 2.850 USD aufbauen.

Ein Aktiensplit sorgt daher meist für eine höhere Nachfrage nach der Aktie. Dies ist historisch belegt:

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Isabel.net, 12.02.2022

Die Grafik zeigt die Wertentwicklung von Aktien in den Monaten nach einem Split. In der Regel erzielen diese Titel deutlich bessere Renditen als der Gesamtmarkt. Wer das Thema weiter verfolgen möchte, kann im Aktiensplit-Kalender der Nasdaq einsehen, welche Unternehmen einen Split durchführen.

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Große Bewegungen am Anleihemarkt.

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 10.02.2022, Zeitstempel: 4.26

Die Tabelle zeigt, dass die Mehrheit der Anleger mittlerweile 9 Zinserhöhungen bis Mitte 2023 erwartet. Das ist ein Allzeithoch. Wir rechnen ebenfalls mit höheren Zinsen, halten 9 Zinsschritte jedoch für übertrieben pessimistisch.

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Isabel.net, 12.02.2022

Wenn die Zinsen steigen, geraten Anleihen meist unter Druck. Es ist daher verständlich, dass viele Anleger Unternehmensanleihen verkaufen. Das Ausmaß der Verkäufe hat ein selten gesehenes Niveau erreicht. Wir halten diese Reaktion ebenfalls für überzogen und rechnen kurzfristig mit einer Erholung. Für langfristige Anleger bleiben Anleihen jedoch ein Investment, das wir aktuell nicht empfehlen.

Was derzeit nicht zum massiven Ausverkauf am Anleihemarkt passt, sind die Geldflüsse in TIPS (inflationsgeschützte Staatsanleihen):

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Youtube Markus Koch Wall Street vom 10.02.2022, Zeitstempel: 2.35

Die Grafik zeigt, dass Anleger seit Mitte Dezember TIPS verkaufen. TIPS sind inflationsgeschützte Staatsanleihen. Die meisten Anleger scheinen also zu glauben, dass die Inflation nicht weiter steigen wird. Warum dann bis Mitte 2023 noch 9 Zinserhöhungen erwartet werden, ist widersprüchlich.

Wir beobachten derzeit zudem eine starke Abflachung der Zinskurve. Das bedeutet, dass der Abstand zwischen kurz- und langfristigen Zinsen abnimmt.

Mixed Earnings Reports | Marmot Finance
Quelle: Ycharts, 13.02.2022

Die Grafik zeigt den Spread zwischen 2-jährigen und 10-jährigen US-Staatsanleihen. Eine steigende Kurve deutet auf eine steilere Zinskurve hin, während eine fallende Kurve eine flachere signalisiert. Momentan ist das noch nicht alarmierend. Sollte die Kurve jedoch ins Negative drehen, wäre das ein extrem negatives Signal. Historisch gesehen ist dies der zuverlässigste Indikator für eine Rezession. In jedem Fall, in dem die Kurve negativ wurde und eine inverse Zinsstruktur entstand, rutschte die Wirtschaft 6 bis 12 Monate später in eine Rezession.

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