Chart der Woche

Die Grafik zeigt die Wertentwicklung des breiten US-Aktienindex S&P 500 im Vergleich zur Performance der beliebtesten Einzelaktien (Amazon, Apple, Netflix, Tesla).
Warum das wichtig ist
2021 lauteten die Schlagzeilen: „Jetzt in die besten Aktien des Jahrhunderts investieren.“ Wer zu spät auf diesen Zug aufgesprungen ist und sich zu sehr von solchen Schlagzeilen hat leiten lassen, musste nun deutliche Verluste hinnehmen. Eine fundierte Analyse und eine breite Diversifikation des Portfolios sind wichtiger, als sich von Medientrends leiten zu lassen.
Welche Blasen könnten als Nächstes platzen? Ein häufig genannter Kandidat ist der Immobiliensektor. Der schnellste Zinsanstieg seit 1950 könnte hier Spuren hinterlassen. Aber auch wer jetzt noch auf Öl- und Gasaktien setzt, geht möglicherweise ein erhebliches Risiko ein.
Höhere Energiepreise beeinflussen die Märkte
Die Aktienmärkte starteten stark in die Woche, wurden dann aber durch steigende Ölpreise gebremst. Das von der EU beschlossene „leichte“ Ölembargo hat die Ölpreise weiter in die Höhe getrieben.

Die Grafik zeigt die höchsten jährlichen Veränderungen der Rohölpreise seit 1900. Der aktuelle Anstieg ist der dritthöchste, der jemals verzeichnet wurde. Nur 1974 und 1999 war der Anstieg noch größer.
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Die Grafik zeigt, dass ein Ölpreis von über 110 USD die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA auf über 50 % steigen lässt.
Der Weg zu steigenden Aktienmärkten liegt derzeit also fast vollständig in der Hand der Ölpreise und damit in der Entwicklung des Ukraine-Krieges.
Erste Anzeichen für eine nachlassende Inflationsdynamik
Die Veröffentlichung von Inflationszahlen über 7 % in der EU hat letzte Woche viele Verbraucher und Anleger schockiert. Da der Aktienmarkt jedoch schon lange mit einer höheren Inflation gerechnet hatte, war die Veröffentlichung der Zahlen keine große Überraschung.
Wenn man sich die Inflationszahlen ganz genau ansieht, gibt es sogar zunehmend Anzeichen für eine nachlassende Dynamik.

Die Geldmenge hat einen großen Einfluss auf die Inflation. Die Grafik zeigt die Geldmenge M2 (Bargeldumlauf plus Sichteinlagen von Nichtbanken bei Kreditinstituten sowie Spareinlagen). Die Normalisierung der Lieferketten in Verbindung mit der Reduzierung der Geldmenge durch die Zentralbanken sollte zu einer niedrigeren Inflation führen. Dies ist ein früher Hinweis darauf, dass die Inflation in den kommenden Monaten wieder zurückgehen könnte.

Die Grafik zeigt eine ungewöhnliche Diskrepanz zwischen der Inflation (VPI, Verbraucherpreisindex) und den Konsumausgaben (PCE, Preisindex für persönliche Konsumausgaben). Der PCE verdeutlicht, wie stark die US-Verbraucher ihre Ausgaben in den letzten Monaten reduziert haben. Während dies bei einigen Kommentatoren Rezessionsängste schürt, könnte es zunächst zu einer Abschwächung der Inflation führen.
Ein kleiner Seitenhieb auf eine der Schlagzeilen dieser Woche: „Elon Musk will 10 % der Belegschaft entlassen, weil er ein schlechtes Gefühl bei der Wirtschaft hat.“ Würde Elon Musk diesen Blog lesen, könnte er sich auf Fakten stützen, anstatt mit seinem Bauchgefühl zu argumentieren.
Die beiden Indikatoren geben Hoffnung, dass wir nicht auf eine Phase der Hyperinflation zusteuern. Einer der größten Einflussfaktoren auf die Inflation bleiben jedoch die Energiepreise. Nur wenn diese nicht weiter steigen, wird auch die Inflation zu sinken beginnen.
Wer wissen möchte, wie es aktuell um den Aktienmarkt steht, sollte daher zuerst einen Blick auf den Ölpreis werfen.
Westliche Regierungen haben an dieser Front noch Spielraum, um für positive Nachrichten zu sorgen. Eine Einigung mit dem Iran oder Venezuela zur Aufhebung der Sanktionen oder die weitere Freigabe strategischer Ölreserven hätten sehr positive Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Auch eine echte Erhöhung des Ölangebots durch die OPEC würde helfen.
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