Der große Vermögenstransfer gilt als die größte intergenerationelle Verlagerung von Privatvermögen in der Geschichte. Schätzungsweise 84 Billionen Dollar werden in den kommenden Jahrzehnten von den Babyboomern an jüngere Generationen übergehen. Dieser Wandel verändert bereits das Geschäftsmodell der Wall Street, beeinflusst die Vermögensallokation und zwingt Vermögensverwalter in der Schweiz und in Europa dazu, ihre Kundenbetreuung grundlegend zu überdenken. Dieser Generationenwechsel ist kein Ereignis der fernen Zukunft. Er findet bereits statt, und seine Auswirkungen auf das Anlageverhalten, die Beratungsbeziehungen und philanthropische Prioritäten sind im Jahr 2026 deutlich messbar. Für europäische Anleger und Finanzexperten ist es unerlässlich, das Ausmaß und die Richtung dieses Transfers zu verstehen.
Wie der große Vermögenstransfer die Wall Street und die europäischen Märkte erschüttert
Die Wall Street hat ihr Beratungsmodell auf die Babyboomer zugeschnitten. Diese Generation hat ihr Vermögen durch Aktien, Immobilien und Pensionsfonds aufgebaut und vertraute bei der Verwaltung auf persönliche Berater. Da dieses Vermögen nun an Millennials und die Generation Z übergeht, werden die Grundannahmen der traditionellen Vermögensverwaltung auf allen Ebenen auf die Probe gestellt.
Jüngere Erben haben grundlegend andere Prioritäten. Sie bevorzugen digitale Vermögenswerte, Impact Investing und soziales Unternehmertum gegenüber den dividendenorientierten Portfolios ihrer Eltern. Dieser Wandel in den Präferenzen ist keineswegs nur marginal. 57 % der Millennials sind bereit, KI-gestützte Beratungsdienste zu nutzen, verglichen mit 34 % der Babyboomer. Diese Lücke signalisiert einen strukturellen Wandel in der Art und Weise, wie Vermögensverwaltung künftig erbracht wird – es ist weit mehr als nur eine bloße Generationspräferenz.

In der Schweiz wird dieser Effekt durch das enorme Volumen an privatem Immobilienbesitz noch verstärkt. Schweizer Privathaushalte halten Immobilien im Wert von rund 2.900 Milliarden CHF, was fast die Hälfte des gesamten Privatvermögens im Land ausmacht. Wenn diese Immobilien die Generationen wechseln, ändert sich nicht nur der Eigentümer. Es ändert sich auch, wie dieses Kapital künftig eingesetzt, versteuert und verwaltet wird.
Europäische Vermögensverwalter reagieren darauf, indem sie ESG-Produktpaletten, digitale Plattformen und wirkungsorientierte Anlagestrukturen ausbauen. Unternehmen, die sich nicht anpassen, riskieren, Vermögenswerte an Anbieter zu verlieren, die bereits die Sprache der nächsten Generation von Vermögenden sprechen.
- Jüngere Anleger priorisieren ESG-Kriterien, Wirkungskennzahlen und Transparenz gegenüber einer reinen Renditemaximierung.
- Digitale und automatisierte Beratungstools werden zum Standard und nicht mehr nur als Premium-Feature betrachtet.
- Anlagepräferenzen von Millennials verändern die Produktentwicklung bei Schweizer und europäischen Privatbanken grundlegend.
- Family Offices werden zunehmend aufgefordert, soziale und ökologische Ziele in ihre Mandate zu integrieren.
Profi-Tipp: Wenn Sie Vermögenswerte für Kunden verwalten, die kurz vor dem Ruhestand stehen, sollten Sie deren erwachsene Kinder jetzt in Ihren Beratungsprozess einbinden. Wer bis nach der Vermögensübertragung wartet, hat den Anschluss verpasst, um die Beziehung aufzubauen, die für den Erhalt des Kapitals entscheidend ist.
Welche Risiken birgt die Vermögensübertragung für Berater in der Schweiz und in Europa?
Die Bedrohung für Beratungsunternehmen ist konkret und messbar. 61 % der Schweizer Finanzberater sehen in der großen Vermögensübertragung eine direkte Gefahr für ihr Geschäft, verglichen mit 46 % weltweit. Diese höhere Besorgnis in der Schweiz spiegelt die Konzentration des Privatvermögens im Land und das Tempo wider, mit dem die generationsübergreifenden Übertragungen derzeit stattfinden.

Der Verlust von Vermögenswerten ist das unmittelbarste Risiko. 33 % der Schweizer Berater geben an, bereits signifikante Abflüsse als direkte Folge von Erbschaften erlebt zu haben. Wenn Kunden ihr Vermögen an ihre Kinder weitergeben, entscheiden sich diese häufig für einen anderen Berater, eine andere Plattform oder eine völlig andere Anlagephilosophie.
Geschlechterspezifische Dynamiken erhöhen die Komplexität zusätzlich. 56 % der weiblichen Kunden ziehen aktiv einen Beraterwechsel in Betracht – ein Wert, der die langjährige Unzufriedenheit darüber widerspiegelt, wie die traditionelle Vermögensverwaltung auf die finanziellen Bedürfnisse von Frauen eingeht. Berater, die nicht in geschlechtersensible Servicemodelle investiert haben, müssen mit einer überproportionalen Abwanderung rechnen, wenn das Vermögen an weibliche Erben übergeht. Marmots Arbeit zum Gender Gap in der Vermögensverwaltung befasst sich genau mit dieser Lücke.
Die Herausforderung bei der Kundenbindung lässt sich auf vier spezifische Druckpunkte reduzieren, die Berater angehen müssen:
- Beziehungskontinuität. Babyboomer sind zu 66 % bereit, Vermögenswerte an einen neuen Berater zu übertragen, während jüngere Kunden sich aktiv gegen einen Wechsel wehren, sobald sie sich für einen Anbieter entschieden haben. Berater müssen Beziehungen zur nächsten Generation aufbauen, bevor die Übertragung stattfindet.
- Technologieerwartungen. Jüngere Kunden erwarten digitalen Zugang, Echtzeit-Reporting und automatisiertes Rebalancing als Standard. Berater, die mit veralteten Systemen arbeiten, werden Schwierigkeiten haben, diese Kunden zu halten.
- Ausrichtung der Anlagephilosophie. Erben, die Impact Investing priorisieren, werden nicht bei Beratern bleiben, die keine glaubwürdigen ESG- oder wirkungsorientierten Portfolios anbieten können.
- Kommunikationsstil. Jüngere Kunden erwarten eine direkte, transparente und häufige Kommunikation. Vierteljährliche Papierauszüge reichen nicht mehr aus.
Profi-Tipp: Vermögensverwalter, die proaktiv auf die nächste Generation einer Kundenfamilie zugehen – noch bevor eine Übertragung unmittelbar bevorsteht –, behalten während des Übergangs deutlich mehr Vermögenswerte als diejenigen, die darauf warten, vorgestellt zu werden.
Wie sollten Investoren und Berater die Nachfolge- und Nachlassplanung angehen?
Die Nachfolgeplanung ist ein mehrjähriger Prozess. Unternehmensnachfolge in Familienbetrieben sollte idealerweise mindestens fünf Jahre vor der geplanten Übergabe beginnen. Ein frühzeitiger Start ermöglicht es Familien, steuerliche Strukturen, Eigentumsstreitigkeiten und Bewertungsfragen zu klären, bevor sie zu Krisen werden.
Einer der häufigsten Fehler bei der Schweizer Nachfolgeplanung ist die Annahme, das Unternehmen sei das einzige nennenswerte Vermögen. Eine gründliche Vermögensaufstellung muss Immobilien, Wertpapierportfolios, Rentenansprüche, Versicherungspolicen und latente Steuerverbindlichkeiten umfassen. Jedes dieser Elemente weist eigene Bewertungskomplexitäten auf, und Streitigkeiten entstehen häufig, wenn Erben von Vermögenswerten erfahren, von denen sie zuvor nichts wussten.
Der Zeitpunkt der Bewertung ist von enormer Bedeutung. Der Wert eines Unternehmens oder einer Immobilie zum Zeitpunkt des Erbfalls bestimmt die Steuerbasis und die Verteilung unter den Erben. Familien, die vorausschauend planen, können Übertragungen in Phasen niedrigerer Bewertung strukturieren oder rechtliche Instrumente nutzen, um Werte vorab festzulegen, was sowohl die Steuerlast als auch familiäre Konflikte reduziert. Marmot bietet Beratung zur Nachlassplanung maßgeschneidert für wohlhabende Schweizer Familien, die genau vor diesen Entscheidungen stehen.
Die praktischen Schritte für einen gut strukturierten Nachfolgeplan umfassen:
- Beginnen Sie den Prozess mindestens fünf Jahre vor dem geplanten Übergabedatum.
- Geben Sie eine vollständige Vermögensaufstellung in Auftrag, die über das Hauptunternehmen oder den Immobilienbesitz hinausgeht.
- Holen Sie unabhängige Bewertungen für alle wesentlichen Vermögenswerte ein, insbesondere für Immobilien und Anteile an Privatunternehmen.
- Bestellen Sie einen professionellen Willensvollstrecker ohne finanzielles Interesse am Ergebnis.
- Dokumentieren Sie die beabsichtigte Verteilung klar und aktualisieren Sie den Plan nach jedem bedeutenden Lebensereignis.
Das Festlegen familiärer finanzieller Meilensteine lange vor einer Vermögensübertragung ist eine der effektivsten Methoden, um alle Beteiligten auf Kurs zu halten und das Risiko kostspieliger Streitigkeiten zu minimieren.
Wie verändert die Vermögensübertragung die Philanthropie in der Schweiz und in Europa?
Der generationenübergreifende Vermögenstransfer definiert die praktische Bedeutung von Philanthropie neu. Wohlhabende jüngere Menschen in der Schweiz wenden sich von traditionellen Spenden ab und hin zu Impact Investing und sozialem Unternehmertum. Dies ist kein Randphänomen. Es spiegelt einen grundlegenden Wandel im Verständnis der nächsten Generation über das Verhältnis von Kapital und gesellschaftlicher Wirkung wider.
„Der große Vermögenstransfer ist die größte philanthropische Chance der Geschichte. Die nächste Generation von Vermögensinhabern in der Schweiz fragt nicht, ob sie geben soll. Sie fragt, wie sie so geben kann, dass messbare, dauerhafte Veränderungen entstehen. Impact Investing und soziale Unternehmungen sind ihre Antwort auf diese Frage.“
Maximilian Martin, Lombard Odier
Die Schweiz nimmt bei diesem Wandel eine einzigartige Stellung ein. Über 13.000 Stiftungen schütten jährlich rund 6 Milliarden CHF aus, was die Schweiz zu einem der am stärksten konzentrierten Philanthropie-Märkte der Welt macht. Da jüngere Vermögensinhaber die Kontrolle über diese Stiftungen übernehmen, lenken sie Kapital verstärkt in messbare soziale und ökologische Ergebnisse statt in klassische Förderungen.
Finanzinstitute, die diese nächste Generation betreuen, müssen glaubwürdige Rahmenwerke zur Wirkungsmessung, Beratungskompetenz für soziale Unternehmungen und Zugang zu Impact-Fonds im Privatmarktbereich entwickeln. Berater, die nicht versiert über Wirkungskennzahlen, Blended-Finance-Strukturen oder den sozialen Return on Investment sprechen können, werden von den Gesprächen ausgeschlossen, die für ihre wohlhabendsten jüngeren Kunden von Bedeutung sind. Der große Vermögenstransfer definiert Philanthropie neu – weit über das reine Spendenwesen hinaus, bis hin zum Kern der Portfolio-Konstruktion.
Wichtige Erkenntnisse
Der große Vermögenstransfer ist die bedeutendste strukturelle Veränderung in der Vermögensverwaltung dieser Generation. Berater, die ihr Servicemodell, ihre Technologie und ihre Anlagephilosophie nicht anpassen, werden in großem Umfang Vermögenswerte verlieren.
Was ich bei der Beobachtung dieses Übergangs bei Schweizer Kundenfamilien gelernt habe
In meiner Arbeit mit Familien und Investoren in der ganzen Schweiz habe ich erlebt, wie sich die Vermögensübertragung auf eine Weise vollzieht, die in den Schlagzeilen nicht vollständig erfasst wird. Das auffälligste Muster ist nicht das Volumen der bewegten Vermögenswerte, sondern die Geschwindigkeit, mit der Beziehungen zerbrechen, wenn Berater nicht in die nächste Generation investiert haben.
Familien, die gut geplant und Jahre im Voraus ehrliche Gespräche über Werte, Steuern und Verteilung geführt haben, bewältigen den Übergang mit relativ geringen Störungen. Familien, die diese Arbeit versäumt haben, müssen oft feststellen, dass die Übertragung Konflikte auslöst, die kein juristisches Dokument vollständig lösen kann. Der finanzielle Verlust ist real, aber der Schaden für die Beziehungen ist häufig schwerwiegender.
Die Chance, die sich hier bietet, ist real. Berater und Vermögensverwalter, die generationsübergreifende Beziehungen aufbauen und verstehen, dass ein Kunde nicht nur eine Einzelperson, sondern ein Familiensystem ist, sind in der Lage, durch diesen Übergang zu wachsen, anstatt an Bedeutung zu verlieren. Dasselbe gilt für Investoren. Wer seine Erben frühzeitig in die finanzielle Bildung und Planung einbezieht, schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich Vermögen über Generationen hinweg vermehrt, anstatt in Streitigkeiten zu zerrinnen.
Für europäische Investoren bietet die Schweizer Erfahrung einen nützlichen Ausblick. Die Konzentration von Privatvermögen, die Komplexität von Immobilienbesitz und die Stärke des Stiftungssektors machen die Schweiz zu einem Frühindikator dafür, wie die breitere europäische Vermögensübertragung aussehen wird. Die Berater und Institutionen, die sich jetzt anpassen, werden diejenigen sein, die auch dann noch bestehen, wenn der Großteil der Übertragung abgeschlossen ist.
— Martin Bürki
Wie Marmot Familien bei der großen Vermögensübertragung unterstützt
Die Bewältigung einer generationsübergreifenden Vermögensübertragung erfordert mehr als nur gute Absichten. Sie erfordert einen strukturierten Plan, unabhängige Beratung und einen Vermögensverwalter, der die volle Komplexität schweizerischer und europäischer Vermögensstrukturen versteht.
Marmot ist ein FINMA-akkreditierter Vermögensverwalter, der auf die Verwaltung von Privat- und Familienvermögen für Kunden in der Schweiz und Europa spezialisiert ist. Das Team arbeitet mit Familien an der Nachfolgeplanung, der Nachlassstrukturierung und generationsübergreifenden Anlagestrategien und kombiniert persönliche Beratung mit digitalen Tools, die jedes Familienmitglied informiert und eingebunden halten. Ob Sie die Übertragung von Vermögen vorbereiten oder den Erhalt planen, Marmots kompetente Vermögensverwaltung Unser Team sorgt für die Klarheit und Struktur, die bei komplexen Vermögensübertragungen erforderlich sind. Marmot bietet zudem eine gezielte Beratung zur Bewahrung von Familienvermögen über Generationen hinweg innerhalb von Familienstrukturen und stellt sicher, dass Vermögenswerte geschützt und langfristig sinnvoll eingesetzt werden.
FAQ
Was ist der große Vermögenstransfer?
Der große Vermögenstransfer bezeichnet die geschätzten 84 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten, die in den kommenden Jahrzehnten von der Babyboomer-Generation an die jüngeren Generationen übergehen werden. Es handelt sich um die größte intergenerationelle Übertragung von Privatvermögen in der Geschichte.
Warum sind Schweizer Finanzberater besonders besorgt über den Vermögenstransfer?
61 % der Schweizer Berater sehen in diesem Transfer eine direkte Bedrohung für ihr Geschäft – ein höherer Wert als der globale Durchschnitt von 46 %. Dies spiegelt die hohe Konzentration von Privatvermögen in der Schweiz und die Geschwindigkeit der aktuellen Übertragungen wider.
Wie wirkt sich der Vermögenstransfer speziell auf Kundinnen aus?
56 % der Kundinnen ziehen in Erwägung, während oder nach einer generationsübergreifenden Vermögensübertragung den Berater zu wechseln. Daher sind geschlechtersensible Beratungsmodelle ein entscheidendes Instrument zur Kundenbindung für Vermögensverwalter.
Wie früh sollte die Nachfolgeplanung in der Schweiz beginnen?
Die Nachfolgeplanung sollte mindestens fünf Jahre vor der geplanten Übergabe beginnen. Dieser Zeitrahmen ermöglicht es Familien, steuerliche Strukturen, die Bewertung von Vermögenswerten und potenzielle Konflikte anzugehen, bevor diese unkontrollierbar werden.
Wie verändert der Vermögenstransfer die Philanthropie in der Schweiz?
Jüngere Vermögensinhaber lenken Kapital von traditionellen Spenden hin zu Impact Investing und sozialem Unternehmertum. Die über 13.000 Stiftungen in der Schweiz, die jährlich rund 6 Milliarden CHF ausschütten, passen ihre Modelle unter der Führung der nächsten Generation an.
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